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Rückblick auf eine schöne Zeit mit Anastasia aus Belarus

Vier Wochen verbrachte das hübsche blonde Mädchen aus Weissrussland in unserer Familie und wir alle sind um viele Erlebnisse und Erfahrungen reicher. Anastasia ist zehn Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Tschorny Bor (ca. 230 km östlich von Minsk). Dieses Gebiet hat ca. 70 % radioaktiven Niederschlag des Reaktorunglücks von Tschernobyl erhalten. Darum kämpft die Bevölkerung dort gegen viele Krankheiten, weil ihr Immunsystem geschwächt ist.

Anastasia mit Blumenhut
Anastasia

Anastasia hat eine ältere Schwester, die Anna heisst. Ihr Vater arbeitet im Wald und ihre Mutter in der Kolchose (das ist ein grosser Bauernhof) auf der Schweinefarm. Sie leben in einem einfachen Haus ohne fliessendes Wasser, ohne Telefon, ohne Fernseher.

Als wir unser Kind in Affoltern abholten waren meine Mutter und ich auch ein wenig aufgeregt und fragten uns welches Mädchen von dieser Kinderschar wohl Anastasia sein könnte. Wir wussten im voraus nur ihren Namen. Doch schon bald nach unserer Begrüssung schenkte sie uns ein etwas scheues Lächeln. Die ersten zwei Tage verbrachte sie am liebsten in ihrem «eigenen» Zimmer mit Klavier oder auf Entdeckungsreisen mit dem «Luxusvelo» meiner Mutter. Am Anfang war die Verständigung schon ein kleines Problem für uns alle und viel Fantasie und Tricks waren gefragt wie Handzeichen, Gesten oder einfach vorzeigen lassen. Anastasia hatte ihren eigenen Trumpf, sie zeigte und erklärte uns viel mit ihren Zeichnungskünsten und schon bald hielt sie uns ab und zu eine Zeichnung mit einem riesigen Glacecornet vor die Augen und schaute uns mit einem fragenden Blick an. In unserem «Wellnessressort» (älteres Badezimmer!) genoss unserer Gast oft ein ausgedehntes Schaumbad und strahlte wie eine kleine Prinzessin und es musste auch unbedingt ein Foto gemacht werden um es ihrer Familie zu zeigen. Ich denke ein Bad im Badehaus des Dorfes von Anastasia ist etwas anderes.

Anastasia und Nadin Gaisser mit dem Velo 
       am Türlersee
Anastasia und Nadin Gaisser am Türlersee

Drei Tage in der Woche unternahmen alle russischen Kinder zusammen Ausflüge, die von der Projektgruppe organisiert wurden. Sie entdeckten unsere vielseitige Umgebung wie den Türlersee, einen Bauernhof, konnten mit einem alten Postauto fahren und in einem Restaurant essen. Andere Ausflüge wie der Rheinfall, Technorama, Rigi, Besuch im Hallenbad usw. standen auf dem Programm. Ich denke das waren für unsere Anastasia alles grosse Erlebnisse, die sie sicher nie vergisst. Doch Anastasia war auch gerne in unserem Haus auf Entdeckungsreisen, bastelte einen Drachen aus Eierschachteln, schaute meiner Mutter bei der Büroarbeit zu oder half ihr in der Küche. Ganz besonders gern spielte sie mit den vielen Barbie-Puppen, die mir meine Kolleginnen auslehnten. Vielen Dank an euch alle. Sie freute sich über viele Kleinigkeiten, denn in ihrer Heimat kennt man vieles von hier nicht, wie zum Beispiel den Postich mit dem sie stundenlang Papier zusammenheftete.
Vor zwei Tagen mussten wir von unserem Mädchen Abschied nehmen und Lebewohl sagen. Das machte uns alle ein bisschen traurig. Es waren vier ereignisreiche Wochen mit vielen neuen Erfahrungen und wertvollen Bekanntschaften. Ich denke Anastasia ist auch gerne wieder zu ihrer Familie zurückgekehrt mit all ihren Kleidern, Geschenken, Fotos, vielen Erzählungen und sicher wird sie noch oft im Traum ins Säuliamt zurückkommen.
Für mich bleibt die Zeit auch unvergesslich.
(Nadin Gaisser)