Schnitzel, Pommes und ein Alphorn
Projekt Belarus: Kinder aus Weissrussland zu Besuch im Säuliamt
Seit sieben Jahren verbringen je 10 Mädchen und 10 Knaben aus der Umgebung von Tschorny Bor in Weissrussland ihre Erholungsferien bei uns im Säuliamt. Die vier Wochen, von Mitte Mai bis Mitte Juni, vergingen wie im Flug und einmal mehr gewährleisteten die Projektverantwortlichen und die unzähligen Helfer einen reibungslosen Ablauf.
Die Tage rasten nur so dahin für die 20 Kinder aus dem fernen Belarus. Kein Wunder, erlebten sie doch tagtäglich veritable Wunder in einer für sie total fremden Welt. Der Zoo, der Rheinfall, der Wald- und Wassertag und der spannende Besuch im Verkehrshaus, um nur einige Highlights zu nennen, waren sozusagen samt und sonders Premieren. Die Kinder aus allerärmsten Verhältnissen kennen derartige Ausflüge nicht. So war denn auch der bereits traditionelle «Säuliämtlertag» ein Erlebnis, das die Kids aus Belarus so bald nicht wieder vergessen werden. Mit einem von der Post gesponserten Postauto, besuchte die Gruppe Fredi Binders Bauernhof in Knonau und genoss einen währschaften Znüni. Weiter ging es dann ins Spielzeugmuseum beim Türlersee, um anschliessend bei der Familie Abächerli im Restaurant Sonnental in Rossau zum Zmittag eingeladen zu werden. Kaum zu glauben, aber die Schnitzel und Pommes sowie die riesige meterlange Eistorte konnten tatsächlich noch mit einem Musikinstrument überboten werden. Das Alphorn von Toni Abächerli war eben ein komisches Ding, das die staunende Gästeschar wirklich noch nie gesehen hatte. Und als dann sogar noch jedes der staunenden Kinder selber ins Horn blasen durfte, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.
Zahnarztbesuch und kein Heimweh
Etwas weniger Enthusiasmus ernteten die Zahnarztbesuche, die im Laufe der Ferienwochen durchgeführt wurden. Einige Zahnärzte aus der Umgebung stellten sich wie auch in den Jahren zuvor für Prophylaxe und erste Untersuchungen der weissrussischen Kinder zur Verfügung.
Auch dieses Jahr hielt sich das Heimweh der Kinder in engen Grenzen, konnten doch viele der Gäste von den Schilderungen und Erfahrungen ihrer Geschwister und Kameraden, die bereits in unserem Bezirk Ferien verbrachten, profitieren. Die allermeisten wussten was hier auf sie zukam schon vom Hörensagen. Bei Gesprächen mit den Gasteltern darf man immer wieder feststellen, dass die absolut fremde Sprache kein grosses Problem darstellt. Mit einem Blatt der wichtigsten Übersetzungen, vielen Gesten und entsprechender Mimik, kann fast jedes Problem gelöst werden. Für sehr schwierige Angelegenheiten stehen aber auch immer die zwei mitreisenden Dolmetscherinnen zur Verfügung. Am letzten Sonntag, bereits um fünf Uhr morgens, hiess es dann Abschied nehmen. Die kleinen Gäste aus den noch immer von Tschernobyl verseuchten Gebieten, konnten ihr Immunsystem stärken und werden noch lange Zeit von ihren Erlebnissen in der Schweiz erzählen.
Die Verantwortlichen des Projektes Belarus und die unzähligen Helferinnen
und Helfer schätzen sich glücklich, dass diese Ferienwochen einmal mehr
unfall- und störungsfrei verliefen. Das ist jedoch lediglich einer
eingespielten Organisation, umfangreichen Vorbereitungsarbeiten und den
zahlreichen und grosszügigen Geschenken und Zuwendungen von Firmen und
Privatpersonen zu verdanken. Die leuchtenden, staunenden und dankbaren
Kinderaugen mögen ein fürstliches Honorar für alle Gönner, Gasteltern und
Projektbeteiligte sein.
(mm)
Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 17. Juni 2008
Belarus Affoltern