Abschied nehmen fällt schwer
Belarus-Projekt 2007: Ein Rückblick aus der Sicht einer Gastfamilie.
Als Gastfamilie haben wir am Sonntagmorgen Abschied nehmen müssen von
unserem weissrussischen Gastkind Lisa. Eindrückliche, spannende, manchmal
auch schwierige Tage liegen hinter uns; die vier Wochen sind im Nu
vorbeigegangen. Kaum zu glauben, dass es schon einen Monat her ist, seit
wir Lisa das erste Mal gesehen haben. Das Eis zwischen ihr und uns war
schnell gebrochen, denn als Lisa an ihrem Ankunftstag unseren zwei Monate
alten Elia erblickte, leuchteten ihre Augen und sie wollte ihn gleich auf
den Arm nehmen. Obwohl es uns nie gelang, miteinander lange Gespräche zu
führen (Lisas Deutschkenntnisse waren zu bescheiden und unser
Russischwortschatz erst recht zu klein) haben wir uns erstaunlich gut
verstanden. Der Satz «Man kann nicht nicht kommunizieren» und
der Ausdruck «rede mit Hand und Füess» haben für uns eine
neue Bedeutung erhalten. Mit der Gestik, der Mimik und dem Tonfall wurde
schnell vieles klar. Kinder haben sowieso die wunderbare Fähigkeit,
kulturelle und sprachliche Unterschiede einfach hinzunehmen und sich
trotzdem wunderbar zu verständigen. Als unsere Töchter Salome und Jaelle
zum ersten Mal mit Lisa stritten, wussten wir, dass die anfängliche
gegenseitige Unsicherheit gewichen war. Wir alle haben während dieser
Zeit sehr viel dazu gelernt, wir sind überzeugt, dass diese Zeit nicht
nur Lisa, sondern auch unsere Familie langfristig prägen wird. Wir
möchten es nicht unterlassen, dem ganzen Belarus-Projektteam ein grosses
Dankeschön auszusprechen. Alle Helferinnen und Helfer haben vor und
während diesen vier Wochen enorm viel geleistet; alles war stets prima
organisiert wir Gastfamilien wurden wunderbar begleitet und unterstützt.
Zum Schluss noch dies: Wir haben Lisa natürlich auch Geschenke gemacht,
doch sind wir überzeugt, dass für sie die Eindrücke und Erlebnisse viel
nachhaltiger wirken als Geschenke und dass die Freundschaft, die wir
haben aufbauen dürfen, auch über die lange Distanz weiter gepflegt werden
kann. Lisa, wir vermissen dich! Alles Gute!
Familie Hurschler-Baumgartner, Affoltern
Leserbrief im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 15. Juni 2007
Belarus Affoltern