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Kein Zahnarzt in Woronino

Kinder aus Belarus im Säuliamt

Das Projekt Belarus darf auf ein eingespieltes Team von freiwilligen Helferinnen und Helfer zurückgreifen. Maxim, der zwölfjährige Knabe aus dem kleinen Dorf Woronino in Weissrussland hat sich bei uns im Säuliamt bereits gut eingelebt. Alle Ausflüge fanden grosse Begeisterung, die Zahnarztbesuche waren jedoch weniger beliebt, dafür umso nötiger.

Bereits mehr als die Hälfte des Ferienmonates für die 20 weissrussischen Kinder ist Vergangenheit. Die allermeisten der Mädchen und Knaben fühlen sich bei den Gasteltern so gut wie zu Hause. Für Maxim jedenfalls ist die für ihn erst so exotische neue Welt fast schon Alltag. Auch die Kinder aus der Nachbarschaft verstehen sich prächtig mit ihm, auch wenn hie und da Begriffe und Erklärungen mit ziemlich abenteuerlichen Gesten und russich-englisch-deutschen Wortschöpfungen begleitet werden. Die Erklärung des fussballerischen Abseits mag ja im «Säuliämtlerdeutsch» schon schwierig genug sein. Die Übersetzung eines zehnjährigen Nachbarbuben für seinen Spielkameraden aus Belarus war zwar nicht ganz druckreif, schaffte aber deutliche Klarheit. Neben den Ausflügen im Bezirk, der Wald- und Wassertag, die Reisen auf die Rigi, in den Tierpark Goldau und ins Technorama, gab es in den letzten Tagen aber auch Ereignisse die nicht immer nur Begeisterung auslösten. Die Gesundheit der weissrussischen Kinder ist durch die noch immer bestehenden Strahlungen von Tschernobyl belastet. Zwei oder mehr Zahnarztbesuche waren an den ausflugsfreien Tagen angesagt. Zahnärzte im Bezirk, aus Birmensdorf und Zug stellten sich wie schon in den letzten Jahren für Profilaxe und erste Untersuchungen zur Verfügung. Diese grosszügige und äusserst wichtige Hilfe zugunsten der Konstitution der Kinder trägt massgeblich zum Sinn und Zweck des Erholungsaufenthaltes bei. Bei allen diesen Unternehmungen der Kinder werden die Gasteltern entlastet indem ihre Feriengäste am Wohnort abgeholt und wieder zurück gebracht werden.

Das Projekt Belarus darf bereits seit sechs Jahren als eine äusserst gut eingespielte Organisation bezeichnet werden. Die Kleidersammlungen, der Verpflegungsdienst, sämtliche Ausflüge und eben der umfangreiche Fahrdienst erledigen unzählige Helferinnen und Helfer uneigennützig und mit grossem Aufwand. Die Gasteltern nehmen neben den Kosten für Schlafen und Essen auch eine grosse Verantwortung und manchmal auch beträchtliche zusätzliche Anstrengungen in Kauf. Dies alles ohne jeglichen materiellen Lohn. Betrachtet man allerdings die dankbaren leuchtenden Augen, das fröhliche Lachen und die herzliche Unbeschwertheit der Mädchen und Knaben aus dem Osten, scheint das Honorar fürstlich. Die Gastmutter von Maxim, dem fröhlichen und bescheidenen Knaben aus dem Dorf Woronino, hat jedenfalls noch nie so viele reizende und liebenswürdige Komplimente erhalten. Zwar meist unausgesprochene, dafür aber wirklich ehrliche.
(mm)

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 1. Juni 2007