Bananen, Zahnbürsten und etwas Heimweh
20 Ferienkinder aus Weissrussland haben sich im Säuliamt gut eingelebt
Die 20 Kinder aus Weissrussland, die hier im Säuliamt einen vierwöchigen Erholungsurlaub bei Gasteltern verbringen, haben sich gut eingelebt. Trotz der für sie neuen und fremden Welt in der es viel Interessantes und Spannendes zu entdecken gibt, kommt bei einigen auch manchmal etwas Heimweh auf.
Igor und Sascha sind nach den ersten drei Tagen bereits nicht mehr wieder zu erkennen. Wo sind die beiden scheuen, stillen und fast ein wenig ängstlichen Knaben geblieben? Keine Spur mehr von Hemmungen und Schüchternheit. Die neue fremde Welt ist viel zu interessant um in der Reserve zu bleiben. Es gilt das Neue zu entdecken und zu ergründen. Allein die tägliche ausgiebige Dusche mit viel heissem Wasser und noch mehr Seife ist ein regelmäßiges Highlight. Der gesundheitliche Aspekt der kleinen Feriengäste steht aber im Vordergrund. Auch nach zwanzig Jahren zeigt der Supergau von Tschernobyl noch immer seine Auswirkungen. So ist denn auch der Besuch bei einem der 13 Zahnärzte aus Affoltern, aus Birmensdorf und aus Zug äusserst wichtig. Der Reihenuntersuch wird von diesen Zahnärzten großzügig übernommen. Ebenfalls generös zeigt sich auch die Vitalis-Apotheke. Im Gepäck der Feriengäste auf der Heimreise befindet sich jeweils eine stattliche Zahl von Aufbau- und Vitaminpräparaten.
Voller Tatendrang
Sascha und Igor, unsere beiden Ferienzwillinge, sorgen aber bereits jetzt tüchtig vor und futtern reichlich. Bananen und die früher politisch unkorrekt mit Mohrenköpfe bezeichneten Süssigkeit erreichen dabei einen Spitzenplatz. Ein Einkauf mit den beiden Knaben in der Migros wird zu einem Event der Extraklasse. Übervolle Regale führen da sofort zu Spontaneinkäufen. Da half das Heranziehen ihres Sackgeldes von Fr. 15.-, das sie als Grundstock erhalten haben. Igor und Sascha bekamen jedoch kein Kopfweh vom Rechnen. Der neu erstandene Fussball verdrängte da grössere Budgetüberlegungen. Beide Knaben sind voller Tatendrang, aufnahmebereit und beide schütteln ganz energisch und etwas entrüstet den Kopf, wenn wir mit dem Finger auf das Wort "Heimweh" im Wörterbuch zeigen.
Etwas Entscheidendes, das nicht mit medizinischen und materiellen Mitteln abgedeckt werden kann, ist aber sicher die Besorgtheit und die Fürsorge zu den Kindern für die Zeit in der fremden Welt. Sozusagen als Pillen fürs Heimweh dienen das Lachen und die Unbeschwertheit, die sie während diesen Ferienwochen erleben dürfen.
Und Sascha und Igor machen sowohl vom Lachen wie auch von der
Sorglosigkeit die sie hier in der Schweiz erleben dürfen reichlich
Gebrauch.
Für das Projekt Belarus: Franziska und Martin Mullis, Ottenbach
Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 2. Juni 2006
Belarus Affoltern