Mit Verspätung in ein grosses Abenteuer
20 Kinder aus Weissrussland sind im Säuliamt eingetroffen
Mit zweitägiger Verspätung trafen am späten Montagabend die 20 Mädchen und Knaben aus Weissrussland endlich im Säuliamt ein. Für die Kinder, die aus den von Tschernobyl verstrahlten Gebieten stammen, beginnt ein vierwöchiges, grosses Abenteuer.
Weil offensichtlich die Pisten des Flughafens in Minsk (Weissrussland) einer grösseren Reparatur bedurften, wurden am Wochenende einige Flüge gestrichen. So trafen die 20 Ferienkinder aus Tschorny Bor, mit zweitägiger Verspätung erst am späten Montagabend bei uns im Säuliamt ein. Mit grosser Spannung erwarteten die Gasteltern das Eintreffen ihrer Schützlinge und deren zwei Begleiterinnen und Dolmetscherinnen. Die Ferienkinder sind alle im Alter zwischen acht und zwölf Jahren.
Zwar etwas müde von der langen Reise, aber voller Erwartungen trafen sie dann endlich gegen 23 Uhr ein. Man konnte die Spannung der Kinder förmlich fühlen. Nach dem ersten Grüezi auf Zürichdeutsch und dem weissrussischen «Sdrasstwuidjtje» sassen die Mädchen und Knaben gespannt vor den zahlreich anwesenden Gasteltern. Welche wird wohl meine Gastfamilie sein? Diese Frage stand allen Kindern ins Gesicht geschrieben. Infolge der vorgerückten Stunde wurden die Kinder bald erlöst, sie durften ihre Gasteltern begrüssen und sofort zu ihrem neuen Zuhause fahren. Sie fuhren aber nicht nur in ein neues Zuhause, sie fuhren eigentlich in eine für sie absolut neue und faszinierende Welt. Alle diese Kinder stammen aus ärmsten Verhältnissen, sie wohnen meist in eigentlichen Baracken ohne fliessendes Wasser und ohne jeden Komfort. Für sie bedeuten die nächsten vier Wochen, die sie bei uns verbringen, sozusagen ein Ausflug ins Paradies. Der Start in eine fast unbekannte Welt wird allerdings erleichtert.
Nicht zum ersten Mal im Säuliamt
In den letzten vier Jahren waren bereits 80 ihrer Freunde ebenfalls für vier Wochen bei uns im Säuliamt. Die allermeisten kennen also doch schon einiges, was hier auf sie zukommen wird. Die Schwester, der Bruder oder ein Mitschüler verbrachte schon in den letzten Jahren bei uns einen Erholungsaufenthalt und hat natürlich viel erzählt. So ist vieles nicht mehr ganz neu, wenn auch immer noch sehr theoretisch. Ein kleines Beispiel: Die korrekte Benützung der Toilette bedarf noch immer einer kurzen Instruktion und die Wasserspülung löste auch am Montag spät nachts noch veritables Staunen und Verwunderung aus. Aber alles kein Problem, alle Gasteltern erhielten eine umfangreiche Liste mit Übersetzungen der wichtigsten und nützlichsten Sätze.
Stellvertretend für alle der 20 weissrussischen Feriengäste sei in den
nächsten Wochen hier über die Abenteuer und Erlebnisse der zehnjährigen
Zwillinge Sascha und Igor berichtet, die in Ottenbach den nächsten Monat
verbringen.
Franziska und Martin Mullis
Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 26. Mai 2006
Belarus Affoltern