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Rechnen mit dem Profaxgerät

Die weissrussischen Kinder vom Belarus-Projekt besuchten einen Tag die Schule

Die 20 weissrussischen Kinder des Belarus-Projekts besuchen jeweils während ihres Aufenthalts im Säuliamt auch eine Schule. Dort beteiligen sie sich am Unterricht, denn beim Rechnen gelten überall die gleichen Zahlen. Der Schultag am vergangenen Freitag im Semperschulhaus in Affoltern war der Abschluss ihrer Ferien in der Schweiz.

Brigitte Schober, beim Belarus-Projekt verantwortlich für die Gasteltern, besuchte am vergangenen Freitag mit den weissrussischen Kindern den Unterricht im Schulhaus Semper in Affoltern. Die 20 Mädchen und Knaben wurden in sechs Gruppen eingeteilt und verbrachten einen Tag in einer Klasse. Das Schulhaus Semper war immer bereit, für einen Tag die weissrussischen Kinder aufzunehmen, wenn das manchmal auch für die Lehrkräfte ein Umdisponieren bedeutete.

Malen und rechnen

Drei der Kinder, Pavel, Ilya und Yankeni, besuchten die dritte Klasse von Meret von der Crone. Die Klasse lernte singend Englisch «Head, shoulder, knees and bo-ne» und die Kinder berührten dazu die jeweiligen Körperteile. Dann befestigten sie ein A3-Blatt auf dem Pult. Pablo zeigte Pavel, was die Lehrerin vorhatte. Sie hatte inzwischen zum Lied «Domino» einen Stern an die Wandtafel gemalt. Die Melodie wechselte und sie malte mit einer anderen Farbe einen Kranz um den Stern. Bei jedem Melodiewechsel griffen die Kinder zu einem anderen Farbstift und vervollständigten das Bild weiter. Ein Walzer setzte den Schlussstrich darunter. Die Malarbeit stellte schliesslich eine Art Ornament dar.

Nastasiya, Maryna, Darya und Artjom sassen mit Dolemetscherin Valentina aus Minsk in der dritten Klasse von Sandra Schneider. In der ersten Stunde formierten sich die Kinder zu einem Kreis und stellten sich einzeln mit einer Bewegung vor. Die Kinder wiederholten Bewegung und Name und die Namen der vorhergehenden Schülerinnen und Schüler, und da es 27 Kinder waren, ertönten die Namen 27mal und blieben im Gedächtnis.

Pablo zeigt Pavel, was die Lehrerin beim 
       Malen vorhat.
Pablo (rechts) zeigt Pavel, was die Lehrerin beim Malen vorhat.

Dann arbeitete die Klasse am Profax, einem Kontrollgerät, mit dem man feststellen kann, welche Aufgaben man richtig und welche falsch gelöst hat. Die weissrussischen Kinder waren Fünftklässler und sollten die Rechnungen der Drittklässler problemlos lösen können. Anfänglich verwirrte sie das Profaxsystem, doch dann machten sie zügig vorwärts.

Eine Fragestunde und die Hobbies

Drei weitere Kinder waren bei Nicole Wirth in der fünften Klasse. Die Lehrerin kam dem Wunsch nach einer Fragestunde gerne nach und so setzten sich alle in einem Kreis zusammen und fragten, was sie gerade interessierte. Valentina übersetzte. In Weissrussland sind zehn Punkte die beste Note. In der fünften Klasse besteht der Unterricht aus den Fächern weissrussische Sprache, russische Literatur, weissrussische Geschichte, englisch, Naturkunde, Sport, Musik und Anstandsregeln. Die Grundschule dauert neun Jahre.

Über den weiteren Werdegang entscheidet die Abschlussprüfung: Man geht arbeiten, besucht eine Berufsschule, beendet die Schule mit dem Besuch der Oberstufe bis zur elften Klasse oder besucht eine Hochschule. Je nach Schule ist der Unterrichtsbeginn unterschiedlich, wobei am Mittag in der Schule gekocht und gegessen wird. Die Sommerferien beginnen Anfang Juni und enden Ende August, dazu gesellen sich je eine Woche Herbst- und Frühlingsferien und zwei Wochen Weihnachtsferien.

Welche Hobbies pflegen die weissrussischen Kinder? Die Antwort ist erstaunlich: angeln, zeichnen, Briefmarken sammeln, tanzen, stricken und Pilze sammeln (dabei ist es verboten, in den Wald zu gehen, weil das Gebiet verseucht ist. Fische, Milch und Pilze sind die am meisten verseuchten Lebensmittel). Wo liegt Weissrussland? Die Ämtler Kinder wissen, in welcher Himmelsrichtung das Land liegt, aber nicht an welche Länder es angrenzt. Valentina zeichnet eine grobe Karte an die Wandtafel. Dann wollen die weissrussischen Kinder wissen, welche Hobbies die Schweizer pflegen. Da überwiegt der Sport, selbst bei den Mädchen. «Das ist ein Trend», meinte Brigitte Schober.

Dann wandte sich die Klasse der Mathematik zu und gemeinsam löste sie Aufgaben mit Brüchen. Nikolay ist einer der besten Schüler, er hat in vielen Fächern die Note zehn und scheute sich nicht, an der Wandtafel eine Rechnungsaufgabe zu lösen. Dann war es Zeit für das Mittagessen, das die Gäste im Schulhaus einnahmen.

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 31. Mai 2005, Andreas Schlegel