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Wie Kinder aus Weissrussland das Säuliamt kennenlernen

Erster Ferienausflug für die Gäste aus Tschorny Bor

Der erste Ferienausflug der Kinder aus Weissrussland führte in die engere Umgebung. Im Säuliamt wurde ein Bauernhof, das Spielzeugmuseum und im Kino-Foyer Lux eine Kinovorführung besucht. Das Restaurant Sonnental lud die Kinderschar anlässlich eines Betriebsjubiläums zu einem opulenten Mittagessen ein.

Die Kinderschar aus Weissrussland lernte das Säuliamt aus nächster Nähe kennen. Die Rigi besuchen, das Technorama und der Zoo in Zürich sind natürlich auch noch auf dem Programm; für die diesjährigen Ferienkinder wollten die Verantwortlichen des Projektes Belarus aber einmal etwas eher Unspektakuläres wagen.

Attraktionen

Doch daraus wurde nichts. Der Berichterstatter sieht sich gezwungen in die Kiste mit den Superlativen zu greifen. Es war ein sensationeller Tag und die Attraktionen und Ereignisse folgten Schlag auf Schlag. Erst einmal stand da die Frage, was denn die 20 Kinder aus dem fernen Weissrussland interessieren könnte.

Vom Bauernhof...

Ein Besuch auf einem Bauernhof hier im Amt würde unsere jungen Gäste sicher interessieren. Fredi Binder, Bauer in Knonau, ehemaliger Kantonsrat und heutiger Bankrat, stellte sich spontan zur Verfügung, den kleinen Feriengästen seinen Betrieb zu zeigen. Zahlreiche Pferde, Rinder und noch sehr kleine, junge Kälbchen durften gestreichelt werden. Ziemlichen Respekt verschaffte sich der massige Muni mit seinem Gebrüll, gestreichelt jedenfalls wurde er nicht. Sozusagen Star in der Manege war aber Mini-Pig «Oskar», obwohl laut Aussagen des Besitzers das Schwein zu verfressen war, um sich wirklich zu präsentieren. Uneingeschränkter Einsatz leistete aber das Therapiepferd, mit dem Binders Tochter Diana jedes einzelne Kind ein Stück reiten liess. Nach zwei Stunden staunen und fragen war dann ein währschafter Bauernznüni angesagt.

Herr Wäspe, Chauffeur des von der Schweizerischen Post für den ganzen Tag gesponserte Postautos, fuhr die Gruppe anschliessend an den Türlersee zum Spielzeugmuseum. Der Aeugster Kantonsrat John Appenzeller spendierte den Eintritt, und Museumsdirektor Schuler persönlich übernahm die Führung, ebenfalls ohne jede Kosten. Die beiden Dolmetscherinnen waren ganz schön gefordert, all die spannenden Geschichten und Details um die ausgestellten Spielzeuge ins Weissrussische zu übersetzen.

... in den Gourmettempel

Nach so vielen Ahs und Ohs meldete sich der Hunger ein weiteres Mal. Genau zur richtigen Zeit, war doch die ganze Kindergruppe samt Begleiter im Restaurant Sonnental in Rossau zum Mittagessen eingeladen. Den Aufenthalt im Gourmettempel Sonnental, um bei den Superlativen zu bleiben, als Mittagessenshalt zu bezeichnen wäre allerdings die Untertreibung des Jahres. Familie Abächerli hatte ganz anderes im Sinn. Immerhin feiern Ruth und Toni Abächerli dieses Jahr ihr zwanzigjähriges Firmenjubiläum. Die Gleichung – zwanzig Jahre Sonnental und zwanzig Ferienkinder – die notabene allesamt in ihrem Leben noch nie in einem wirklich guten Restaurant assen, fand das Wirteehepaar, würde doch ganz gut zusammenpassen.

Kaum dass das Postauto geparkt hatte, erfüllte ein Geschnatter und Gelächter die grosse Gartenwirtschaft. Eine Feststellung des Berichterstatters sei dabei gestattet: Zwischen begeistertem belarussischem und zürcherischem Geschnatter und Gelächter von zwanzig Kindern besteht absolut kein Unterschied. Ein riesiger langer Tisch mit zwanzig Gedecken, anstelle des Tellers mit einem Baseballkäppi bestückt, war eine der Ursachen für die Begeisterung. Beinahe hätte sich Toni Abächerli verschätzt. Zwar durfte die Chromstahlschale mit den Älplermakkaroni durchaus als riesig bezeichnet werden, nach einer guten halben Stunde war sie aber bis auf die letzte Makkaroni leer. Bloss gut, dass die nachfolgende Eistorte sozusagen meterlange Masse aufwies.

Sie haben gefuttert, die Mädchen und Knaben aus Belarus und sie haben es so richtig genossen, für einmal uneingeschränkt verwöhnt zu werden. Toni Abächerli genügte es allerdings nicht, nur einfach den ausgezeichneten Koch und Wirt zu spielen. Als verkappter Entertainer begeisterte er seine kleinen fremdländischen Gäste nach dem Essen mit der Handorgel. Olga lachte aus vollem Hals und Maxim staunte mit offenem Mund und wirklich und wahrhaftig Anastasia und Irina schunkelten selig ganz wie in einem Bierzelt des Turnfestes in Hintertupfig.

Alphorn – in Tschorny Bor unbekannt

Das Unterhaltungs-Repertoire des Sonnental Wirtes war aber noch längst nicht ausgeschöpft. Zwanzig Augenpaare verfolgten gespannt wie er ein riesiges Etwas aus der Stoffhülle packte. Nein, in Tschorny Bor kennt man keine Alphörner! Die Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr hinaus. Jedes Einzelne stieg dann anschliessend auf einen Stuhl und versuchte dem langen, runden Ding einen Ton zu entlocken. Gar manchem gelang dies trotz heftigem Blasen nicht.

Der Höhepunkt kam jedoch wie es sich bei einem richtigen Fest gehört ganz zum Schluss. Toni Abächerli versammelte die vergnügte Kinderschar um sich und mit Hilfe der beiden Dolmetscherinnen Galina und Uliana erklärte er jedes einzelne Werkzeug eines prächtigen zwölfteiligen Victorinox-Sackmessers. Als er dann tatsächlich jedem der Kinder ein solches überreichte, blieb manchem Bub ganz einfach die Sprache weg. Und eines der Mädchen versicherte der Deutschlehrerin Uliana mit ernsten Worten, dass sie dieses kostbare Ding hier ihrem Vater als Souvenir aus der Schweiz nach Hause bringen würde.

Doch der Säuliämtlertag war noch nicht vorbei. Das Postauto führte die Schar nach Affoltern ins Schulhaus Ennetgraben. Das Kino-Foyer Lux lud die Kinder noch zu einer Trickfilmstunde ein. Lehrer Walter Rützler und der Kino-Spezialist Hannes Moser hatten das einmalige Vergnügen mindestens zwanzig Gäste zu begrüssen, die noch nie in ihrem Leben in einem Kino gesessen hatten. Sicher ein Novum in der Geschichte des Lux. Als die Kinder jedenfalls den Saal nach dem letzten The End verliessen, war es ziemlich schwierig auszumachen, wer denn jetzt stolzer war, die Kinder aus Weissrussland, oder Filmvorführer Hannes Moser über seine doch einmaligen Gäste.
(mu)

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 25. Mai 2004