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Kinder aus Tschorny Bor trafen im Säuliamt ein

Ferien bei Gastfamilien

Am Samstagabend, nach einer langen Reise von Tschorny Bor in Weissrussland nach Affoltern im Säuliamt waren die zehn Mädchen und die zehn Knaben endlich am Ziel ihrer Reise.

Mit glänzenden Augen, mit freudiger Erwartung, aber auch mit einigen ängstlichen und skeptischen Blicken marschierten die weissrussischen Kinder hinauf ins reformierte Kirchgemeindehaus.

Aber nicht nur die Ferienkinder konnten es fast nicht erwarten. Genauso gespannt waren die Gasteltern aus vielen Gemeinden unseres Bezirkes und aus Birmensdorf. Bereits zum dritten Mal haben die vielen Helferinnen und Helfer des Projektes Belarus 20 Kinder, die es gesundheitlich am nötigsten haben, für vier Wochen zu uns in die Ferien eingeladen. Alle Kinder stammen aus Familien mit äusserst geringem Einkommen.

Von Spenden finanziert

Das Projekt Belarus wird ausschliesslich von Spenden finanziert, unzählige kleine und grössere Beträge von Privaten und Firmen ermöglichen die Reise und den Aufenthalt der Kinder. So hat auch dieses Jahr, um ein einziges Beispiel zu erwähnen, die TCS Gruppe Knonaueramt sämtlichen Kindern einen wunderschönen Rucksack spendiert.

Alle Kinder treffen lediglich mit wenigen Kleidern bei uns ein, meist nur gerade das, was sie auf dem Körper tragen. Jeweils am Tag nach ihrer Ankunft wird eine Kleiderbörse organisiert. Die vom Projekt gesammelten Kleider, Schuhe, Taschen und allerlei andere Dinge wurden im Kirchgemeindehaus Affoltern fein säuberlich aufgereiht. Die Kinder und ihre Gasteltern konnten sich so nach Herzenslust bedienen.

Aber zurück zum Ankunftstag. Es war merklich spürbar, dass die Kinder gegenüber der zwei letzten Jahre, bereits viel besser wussten was auf sie zukommen würde. Der Grund ist einfach; bereits freuten sich einige der diesjährigen Ferienkinder, deren Geschwister in den beiden letzten Jahren ebenfalls Ferien im Säuliamt verbracht hatten, auf die kommenden vier Wochen. Die Nachhaltigkeit der Freundschaft und Verbundenheit zwischen unserem Bezirk und dem Dorf Tschorny Bor in Weissrussland zeigt Wirkung.

Trotzdem war die Spannung der kleinen Gäste im Saal fast greifbar, als Franziska Sager am Samstagabend im Kirchgemeindehaus die Gasteltern aufrief, ihr Kind in Empfang zu nehmen. Für Maskim, Olga, Irina und Dimitri, war es fast nicht auszuhalten, wer denn da auf sie zukam und für vier Wochen für sie Eltern «spielen» wollten.

Das Gastkind in der Familie des Autors dieser Zeilen jedenfalls hat sich bereits bestens eingelebt. Zwar war für den zwölfjährigen Dimitri die politisch korrekte Bezeichnung für die «Schoggi-Leckerei» Mohrenkopf völlig wurst. Es war die erste Begegnung mit der süssen Köstlichkeit in seinem Leben. Zwiebeln liebt er jedoch nicht besonders und die Bananen fanden, ganz wie bei allen anderen anwesenden Kindern, uneingeschränkte Begeisterung.
(mu)

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 18. Mai 2004