Ferien im Säuliamt
20 Kinder aus Tschernobyl bei Gasteltern
Sie staunten, machten grosse Augen und freuten sich: Die Buben und Maitli aus Tschorny Bor für welche die Ferien am Sonntag in Maschwanden mit einem Brunch begannen. Bereits zum zweiten Mal organisierten die Mitglieder des Projekt Belarus für 20 Kinder aus der radioaktiv verseuchten Gegend von Tschernobyl Plätze bei Gasteltern im Säuliamt.
Ruedi Künzi ist sichtlich zufrieden. «Alles klappt», strahlt der Bauer aus Maschwanden. «Die grosse Vorbereitungsarbeit hat sich gelohnt.» Am Samstag brachten Franziska Sager aus Ottenbach und Brigitte Schober aus Aeugst die Ferienkinder aus Weissrussland mit. Begleitet wurden die beiden Frauen von zwei Dolmetscherinnen. «Es war eine eindrückliche Reise», sagt Brigitte Schober. «Die Kinder haben sich gefreut, dass sie mit uns in die Schweiz fliegen durften. Wir erzählten ihnen, bei wem sie wohnen werden und zeigten ihnen auf der mitgebrachten Landkarte, wo das Säuliamt liegt.»
Zudem wussten sie von den Kolleginnen und Kollegen welche letztes Jahr im Bezirk Affoltern vier abwechslungsreiche Wochen verbracht hatten, wie es hier ist und was sie ungefähr erwartet. Aber auch das Betreuungsteam welches nach Minsk reiste, konnte sich vorbereiten. «Es war uns klar, dass dort in der ländlichen Umgebung wo die Kinder herkommen Armut, Elend und Not herrscht», sagt Franziska Sager. «Auch wussten wir, dass in vielen Familien Alkoholkonsum ein Problem ist und die Kinder oft sich selbst überlassen sind.»
Das ist hier anders. Die Kinder stehen im Mittelpunkt. Für sie wurden Gasteltern gesucht, Berge von Kleidern gesammelt, Geldspenden organisiert und ein tolles Ferienprogramm zusammengestellt. Damit alles klappt musste zum Beispiel Siggi Merz für 20 Kinder in 10 Dörfern rund 30 Fahrerinnen und Fahrer rekrutieren. Sie werden die Kinder jeweils abholen und zu den Treffpunkten bringen. «Zum Glück bin ich pensioniert», sagt der Rifferswiler, «sonst hätte ich diese Büez nicht machen können.»
Magdalena Suter und Hasi Schwarzenbach aus Mettmenstetten haben dieses Jahr wieder einen Buben in den Ferien. «Jury ist viel gesprächiger als Vitali, der im letzten Jahr bei uns lebte.»
Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern, 20. Mai 2003
Belarus Affoltern