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Ferien für Kinder aus Tschernobyl

Ferien für 20 Kinder aus den von Tschernobyl verseuchten Gebieten: Ruedi Künzi und sein Team bringen jedes Jahr 40 Kinderaugen zum Strahlen.

Von Gabriel Aeschbacher

Am 17. Mai 2008 ist das Projekt Belarus zum siebten Mal lanciert worden. Es ermöglicht jedes Jahr 20 Kindern Ferien im Bezirk Affoltern. Ruedi Künzi leitet das zehnköpfige Kernteam, welches den Besuch der Weissrussischen Kinder in ehrenamtlicher Tätigkeit vorbereitet. «Rechnet man die involvierten Helfer sowie die Gastfamilien mit ein, sind beinahe 100 Personen an diesem Projekt beteiligt», wie Künzi ausführt.

Geschwächtes Immunsystem

Die Kinder kommen aus der Region von Tschorny Bor, zirka 230 Kilometer östlich von Minsk. Für alle von ihnen ist es das erste Mal, dass sie ins Ausland reisen, geschweige denn ein Flugzeug besteigen. Sie kommen oft aus sozial benachteiligten Familien, deren Einkommen 300 Euro pro Monat selten übersteigt. In die Schweiz kommen dürfen Kinder, die es gesundheitlich am Nötigsten haben - vorausgesetzt, dass sie reisefähig sind. Die Krankheitsbilder der Kinder sind vielfältig: Viele leiden an Problemen mit den Schilddrüsen, andere kämpfen gegen Leukämie. Aber auch Nierenleiden kommen überproportional häufig vor. Die Gegend von Tschorny Bor hat zirka 70 Prozent des radioaktiven Niederschlags erhalten; Spätfolgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, welche am 26. April 1986 unermessliches Leid über die dortige Bevölkerung gebracht hatte.

Zahlreiche Ausflüge

Begleitet werden die Jugendlichen auch von zwei Dolmetscherinnen. Sie sorgen dafür, dass Kommunikation und Koordination auch dann laufen, wenn es zu kleinen Problemen oder gar zu einer Prise Heimweh kommen sollte. Dies allerdings ist in den wenigsten Fällen ein Thema, denn das vielfältige Programm lässt Gedanken an das ferne Zuhause selten zu. An drei Tagen pro Woche nämlich treffen sich alle Ferienkinder zu gemeinsamen Ausflügen, zum Basteln oder zum Spielen. Untergebracht sind die Kinder bei Familien in der Region Affoltern. Ruedi Künzi berichtet, «dass wir Familien haben, die schon das zweite oder dritte Mal mit von der Partie sind».

Spenden ermöglichen Ferien

Die reformierten Kirchengemeinden von Affoltern, Hausen am Albis und Maschwanden dürfen für das Projekt Belarus keine Steuergelder verwenden. Entsprechend wird der Aufenthalt der 20 Kinder mit Spendengeldern finanziert.

«100% Live - die stärkste Schülerzeitung der Schweiz» unterstützt das Projekt mit 500 Franken und leistet damit einen kleinen Betrag zu den Gesamtkosten, die sich mittlerweile um die 25000 Franken bewegen.

100% Live - die stärkste Schülerzeitung der Schweiz, Juni 2008